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Der Fall Nokia

Dienstag, Januar 22nd, 2008
  • german

Die Werksschließung des Handyherstellers Nokia in Bochum beschäftigt derzeit nicht nur die offline-Medien sondern in zunehmendem Maße auch die Blogosphäre. Allerdings ist es interessant zu sehen, dass sich anders als bei vielen klassischen Blogosphäre-Revolten (a la Jamba) kein einheitliches Meinungsbild herausbilden will. Der relativ offensichtliche Grund dafür ist, dass es eine interessante Zweiteilung in Wirtschaftsblogs und andere Meinungsblogs zu geben scheint. Zweifellos haben aufgrund der Nähe zum Marketing und der PR viele Blogger einen Wirtschaftshintergrund aufzuweisen und das scheint sich hier zu zementieren. Dabei ist unter den Wirtschaftsblogs der einheitliche Tenor dass man Nokia als Unternehmen verstehen muss, während der Rest der Blogosphäre die ein oder andere Form des Nokia-Boykotts fordert.

Anders ist das bei rein moralisch besetzten Themen, wenn Firmen oder Institutionen ethisch nicht vertretbare Entscheidungen treffen. Dann ist die beschriebene Spaltung recht schnell aufgehoben. Spannend ist hier, zukünftig zu beobachten ob es weitere solcher Spaltungen zu geben scheint (wenn gefunden bitte kommentieren ;-) ).

Meine eigene Einstellung zu diesem Fall weicht etwas von der generellen Wirtschaftlerlinie ab. Wir müssen Nokias Entscheidung nicht verstehen – vielmehr bleibt uns ohnehin nichts anderes übrig als diese hinzunehmen. Denn hier offenbart sich einfach eine gewisse Schizophrenie unserer Gesellschaft. Einerseits bezahlen wir Nokia dafür, das Handywerk nicht in seiner Heimat Finnland sondern hier bei uns in Bochum zu errichten, andererseits bricht ein kleiner Bürgerkrieg los, wenn andere Länder eine ähnliche Politik verfolgen. Es ist also an uns, die Politik der Bundesregierung zu überdenken und nicht vorschnell über eine Wirtschaftsinstitution herzufallen. Wahrscheinlich haben die welche sich jetzt aufregen damals voller Schadenfreude nach Finnland geschaut wo die Gewerkschaften und Angestellten das Investment ihrer Firma hierzulande akzeptieren mussten. Zweitens, kritisieren wir als fortgeschrittene Gesellschaft die Entwicklungsländer, dass sie zu kurzfristig denken, wenn sie über reine Geld-Subventionen und befristete Sonderwirtschaftszonen Investoren anlocken wollen, statt nachhaltige und grundlegende Vorteile zu entwickeln. In der Regel zeigen wir anschließend mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf jene Regionen, die dann bald eine Abwanderung der Unternehmen zu beklagen haben – „Wir haben es ja gewusst!“ Nun ist der Nokia-Fall eben ein Beispiel dafür, dass wir selbst nicht in der Lage sind unsere eigenen Erkenntnisse umzusetzen und eine vernünftige Politik zu betreiben.