Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Innovativer Indikator für die Finanzkrise

Donnerstag, Oktober 9th, 2008
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Vergleicht man die europäischen Fußballligen mal nicht auf der Basis des sportlichen Potenzials, sondern der Trikotwerbung fällt ins Auge, dass die englische Liga extrem von der Finanzkrise gebeutelt wird. Newcastle’s Sponsor Northern Rock ist inzwischen schon acht Monate in staatlicher Obhut, Manchester United’s Geldgeber AIG seit wenigen Wochen. West Ham United ist gleich doppelt betroffen. Sein Hauptsponsor XL Holidays meldete kürzlich Insolvenz an und seit dieser Woche ist nun auch bekannt, dass Islands Großbankier Bjorgolfur Gudmundsson in finanziellen Schwierigkeiten stecken dürfte. Der zweitreichste Isländer, bis gestern noch Besitzer der “Landsbanki”, ist auch Eigner von Westham. Jegliche Mittel für Transfers sind sofort gestrichen worden, und ob der Club die Saison zu Ende spielen kann, steht noch in den Sternen.
my.commetrics.com
Taugt also die Liste der Premier League Sponsoren als Finanzkrisenindikator? Zumindest hätten wir damit eine bunte Reihe potentieller weiterer Kandidaten für die nächsten Krisenmeldungen:

Samsung (Chelsea), Emirates (Arsenal), Carlsberg (Liverpool), Thomas Cook (Manchester City), Acorns (Aston Villa), bet24 (Blackburn), Reebok (Bolton), Chang (Everton), Garmin (Middlesborough),  oki (Portsmouth), Boylesports (Sunderland), Mansion.com (Tottenham), T-Mobile (W Bromwich), Britannia (Stoke), F&C investments / jjb sports (Wigan)

Island am Abgrund

Dienstag, Oktober 7th, 2008
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Nach neuesten Meldungen der FAZ, steht nun erstmals ein Staat aufgrund der Finanzkrise am Randes des Bankrotts. Es ist das beschauliche Island, welches noch vor wenigen Monaten als Star der Finanzmärkte, Zukunft der Aluminiumhütten und Land der endlosen Energiereserven geheiligt wurde. Dabei scheint man besonders unvorsichtig an den Finanzmärkten gewesen zu sein. Das Inselchen mit knapp dreihunderttausend Einwohnern ist auch Heimat einer handvoll Banken, die Kredite im Volumen des zwölffachen Bruttoinlandsproduktes (!) in den Büchern zu stehen haben. Die Schätzungen reichen bis zu 100 Milliarden € in den Bilanzen – knapp 300.000€ pro Isländer. Mit €600m ist der Staat bereits seinem größten Geldinsititut Glitnir zur Seite gesprungen, die Bank Landsbanki wurde komplett verstaatlicht und ein 500-Millionen-Kredit für Islands Global Player “Kaupthing” bereitgestellt – eine Reihe von Notstandsgesetzen scheint verabschiedet.

Nun hofft man auf russisches Geld. Von einer Geldspritze in Höhe von mehr als 5 Milliarden Euro ist die Rede, was knapp einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes entspräche. Mit Schweden und Norwegen wird über weitere Hilfen verhandelt. Die Isländer selbst geraten in Panik und räumen die Konten. Wie die FAZ schreibt, sind die meisten isländischen Immobilienbesitzer in ausländische Kredite geflüchtet, nachdem die Zentralbank die Zinsen auf über 15% angehoben hatte.  Allein heute verlor die Isländische Krone mehr als ein Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro, womit eben jene Schuldner noch tiefer in die Schulden rutschen. Das dürfte die Panik weiter anheizen.

Wie die Stimmung dort gerade ist kann und mag ich mir kaum vorstellen. Vermutlich kriegt dort heut niemand ein Auge zu. Gangi þér vel, Jungs!

Der Fall Nokia

Dienstag, Januar 22nd, 2008
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Die Werksschließung des Handyherstellers Nokia in Bochum beschäftigt derzeit nicht nur die offline-Medien sondern in zunehmendem Maße auch die Blogosphäre. Allerdings ist es interessant zu sehen, dass sich anders als bei vielen klassischen Blogosphäre-Revolten (a la Jamba) kein einheitliches Meinungsbild herausbilden will. Der relativ offensichtliche Grund dafür ist, dass es eine interessante Zweiteilung in Wirtschaftsblogs und andere Meinungsblogs zu geben scheint. Zweifellos haben aufgrund der Nähe zum Marketing und der PR viele Blogger einen Wirtschaftshintergrund aufzuweisen und das scheint sich hier zu zementieren. Dabei ist unter den Wirtschaftsblogs der einheitliche Tenor dass man Nokia als Unternehmen verstehen muss, während der Rest der Blogosphäre die ein oder andere Form des Nokia-Boykotts fordert.

Anders ist das bei rein moralisch besetzten Themen, wenn Firmen oder Institutionen ethisch nicht vertretbare Entscheidungen treffen. Dann ist die beschriebene Spaltung recht schnell aufgehoben. Spannend ist hier, zukünftig zu beobachten ob es weitere solcher Spaltungen zu geben scheint (wenn gefunden bitte kommentieren ;-) ).

Meine eigene Einstellung zu diesem Fall weicht etwas von der generellen Wirtschaftlerlinie ab. Wir müssen Nokias Entscheidung nicht verstehen – vielmehr bleibt uns ohnehin nichts anderes übrig als diese hinzunehmen. Denn hier offenbart sich einfach eine gewisse Schizophrenie unserer Gesellschaft. Einerseits bezahlen wir Nokia dafür, das Handywerk nicht in seiner Heimat Finnland sondern hier bei uns in Bochum zu errichten, andererseits bricht ein kleiner Bürgerkrieg los, wenn andere Länder eine ähnliche Politik verfolgen. Es ist also an uns, die Politik der Bundesregierung zu überdenken und nicht vorschnell über eine Wirtschaftsinstitution herzufallen. Wahrscheinlich haben die welche sich jetzt aufregen damals voller Schadenfreude nach Finnland geschaut wo die Gewerkschaften und Angestellten das Investment ihrer Firma hierzulande akzeptieren mussten. Zweitens, kritisieren wir als fortgeschrittene Gesellschaft die Entwicklungsländer, dass sie zu kurzfristig denken, wenn sie über reine Geld-Subventionen und befristete Sonderwirtschaftszonen Investoren anlocken wollen, statt nachhaltige und grundlegende Vorteile zu entwickeln. In der Regel zeigen wir anschließend mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf jene Regionen, die dann bald eine Abwanderung der Unternehmen zu beklagen haben – „Wir haben es ja gewusst!“ Nun ist der Nokia-Fall eben ein Beispiel dafür, dass wir selbst nicht in der Lage sind unsere eigenen Erkenntnisse umzusetzen und eine vernünftige Politik zu betreiben.

Russland – Arbeitnehmerwunderland?

Mittwoch, Januar 10th, 2007
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Wer qualifiziert ist hat die Trümpfe in der Hand

Kürzlich habe ich in einer russisch-englischen Personaler-Zeitschrift einen Vergleich der europäischen Bewerberlandschaft mit der russischen gelesen. Zusammen mit meinen persönlichen Eindrücken vor Ort ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Marktsituation zwei komplett verschiedene Bilder. Während daheim zum Teil dutzende Bewerber auf eine offene Stelle kommen, steht der russische Personaler meist nicht mal einer handvoll Kandidaten gegenüber. Das hat nachhaltigen Einfluss auf den weiteren Bewerbungsprozess. Daheim muss man sich als Jobaspirant einem Haufen Tests und Gesprächen unterziehen und kann nur hoffen, aus der Masse herauszustechen. In Russland hat der Bewerber das Sagen. Um ihn nicht abzuschrecken, verabredet man sich lieber an einem Platz der dem Bewerber passt statt in der Firma – nicht selten ein Cafe oder eine Bar. Dann geht das große Pokern los, das vielmehr ein Wettbieten ist, da der Bewerber vermutlich einige Angebote in der Tasche hat. Und selbst wenn der Kandidat zusagt und angesichts der vielen Zugeständnisse den Arbeitsvertrag unterschreibt, bleibt eine gewisse Unsicherheit, ob er denn auch zum ersten Arbeitstag erscheinen wird…

Reiche Russen kaufen deutsch

Sonntag, Dezember 10th, 2006
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… egal wo das Produkt herkommt

Schon mal was von Apotheker Scheller, Ralf Ringer oder „Naturland“ gehoert? Nein? Diese Namen stehen fuer den Deutschlandboom in der russischen Konsumwelt. Deutsche Produkte sind in, hat sich der Begriff Deutsch in Russland doch inzwischen zu einem eigenen Wert entwickelt. Politische Spannungen hin oder her, der Run auf deutsche Produkte kennt keine Grenzen – weder bei Produktkategorien noch im Portemonnaie. Man faehrt BMW, ist Maggis Tuetensuppen und trinkt Loewenbraeu, das beinahe in jedem Supermarkt zu haben ist. Dabei handelt es sich haeufig nichtmal um verwurzelte deutsche Marken. Viele kleine deutsche oder auch russische Marken springen auf den Zug auf, um sich das Label „deutsch“ anzuheften. So expandiert die Schuhfirma Ralf Ringer mit gewaltigen Schritten, so verkauft Apotheker Scheller „deutsche“ Heilmittel. Das Polit-Magazin Profil schmueckt sich mit dem Logo und drei uebersetzten Atikeln des „Spiegel“ und die meistverkaufte (und billigste) Schokolade Russlands praegt der Name „Alpenliebe“. In der zunehmend geteilten Gesellschaft Russlands, mit einer unglaublich grossen Schicht am Rande der Existenz und einer kleinen aber zahlungskraeftigen Elite sind russische Produkte „out“ und als Ware fuer die Unterschicht verschrien. Wer etwas auf sich haelt wohnt „Euro-Remont“ (europaeisch renoviert) und kauft deutsch.

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