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Sexy genug für’s Web 2.0?

Montag, März 16th, 2009
  • german

In der vergangenen Woche erhielt ich den Auftrag an einer Veranstaltung teilzunehmen die unter dem Motto “Lesen Sie noch, oder bloggen Sie schon?” die Herausforderungen des Web 2.0 an die Unternehmenskommunikation thematisieren sollte. Veranstaltet wurde das Ganze vom Bundesverband der Pressesprecher bzw. dessen Landesgruppe Baden Württemberg in der Böblinger Deutschlandzentrale von HP. Auf das von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach moderierte Panel will ich hier gar nicht groß eingehen, ein paar mehr Worte dazu verliere ich demnächst auf dem Daimler-Blog. Vielmehr will ich hier auf eine Beobachtung eingehen, die mir die letzten Tage einiges an Stoff zum Kopfzerbrechen und Diskutieren verschafft hat.

Denn dort bot sich auch den geladenen Presseverantwortlichen (über)regionaler Industriegrößen die Möglichkeit, ihre Fragen und Herzensangelegenheiten loszuwerden. Der Vertreter eines namhaften Dübelherstellers nutzte die Chance und warf folgende Feststellung in den Raum:

Dübel sind einfach nicht sexy genug für’s Web 2.0!

Dabei verglich er sich mit den Porsches, Daimlers und iPods dieser Welt und erntete dafür eifrig zustimmendes Kopfnicken von den Nachbarsitzen. ABER: Er liegt falsch! Und zwar sehr…

Es geht bei der Unternehmenskommunikation/Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations (Liste ist nicht erschöpfend) nicht darum ob man sexy, sexy, sexy ist! (alle, die das glauben, müssen folgendes Video bis zum Ende schauen)

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Bei der Unternehmenskommunikation geht es vielmehr darum die strategischen Ziele des Unternehmens kommunikativ zu unterstützen – auf gut Deutsch, Themen die der Firma wichtig sind an die Frau und den Mann zu bringen. Es geht nicht darum, den Viral-Clou des Jahres zu landen. Es geht nicht darum, auf den nächsten Hype aufzuspringen. Sondern hier geht es um harte, ehrliche Kommunikationsarbeit, die keinen Deut einfacher ist als der Umgang mit Journalisten oder anderen Multiplikatoren.

Um das zu verdeutlichen habe ich folgenden Fragebogen entworfen. Bitte setzen Sie jeweils ein Kreuz bei den Punkten, die für Ihr Unternehmen zutreffen:

[ ] Unsere Produkte sind sexy genug, dass wir Pressemeldungen darüber schreiben

[ ] Unser sexy Unternehmen ist ständig auch der Suche nach talentiertem Nachwuchs

[ ] Wir haben sogar eine sexy Webseite

[ ] Wir haben den ein oder anderen Mitarbeiter (‘sexy’ wär hier nicht Diversity-konform), der manchmal im Internet surft

[ ] Manchmal schreibt mir ein Journalist (‘sexy’ wäre hier nicht Compliance-konform) eine Nachricht bei []StudiVZ, []Facebook, []Xing, []imbee

[ ] Unsere Wettbewerber (‘sexy’ entspricht hier einfach nicht der derzeitigen Sprachreglung)  haben übrigens auch Webseiten

Sie haben mindestens ein Kreuzchen gemacht? Herzlichen Glückwunsch – damit haben Sie soeben unterschrieben, dass Ihr Unternehmen in der Tat tauglich für das Web 2.0 ist.

1.Wir leben in der Informationsgesellschaft, in der neun von zehn Informationaktivitäten mit einer Internetsuche beginnen. Egal, welches Produkt ich anbiete, sollte ich versuchen eine grundlegende Informationshoheit über dieses Produkt zu behalten.

2. Die Bewerberansprache im Web 2.0 ist für “praktizierende” Unternehmen schon jetzt ein enormer Wettbewerbsvorteil im Kampf um die Ingenieure und Manager von Morgen.  Um Aktivitäten bei Facebook & Co kommt man wohl zukünftig kaum vorbei.

3. Eine Webseite ist passiv und baut kaum Beziehungen auf – weder zum Leser noch zu Suchmaschinen.  Mit regelmäßig neuen Inhalten, hoher Vernetzung im Netz und ein paar engagierten Mitarbeiter lässt sich das ganz schnell ändern.

4. Wo wir schon von engagierten Mitarbeitern reden – Ihre Leute sind ohnehin im Netz unterwegs. Warum nutzen Sie nicht diese Chance? Da ist jemand der (vermutlich) Ihr Produkt und Ihr Unternehmen mag. Geben Sie ihm die Möglichkeit, dies auch öffentlich – also im Internet – zu zeigen.

5. Machen Sie sich nichts vor – auch Journalisten recherchieren zunächst im Internet. Vermutlich auf Wikipedia und auf den Webseiten der entsprechenden Firmen. Wäre es da vielleicht für Sie hilfreich, wenn er im Falle des Informationsbedarfs schnell Kontakt knüpfen könnte?

6. Vermutlich bietet noch jemand identische/ähnliche/konkurrierende Produkte an. Im Web 2.0 können Sie es schaffen, Ihre Sichtbarkeit mit wenig Einsatz zu erhöhen.

Daneben gibts natürlich noch einen ganzen LKW voller weiterer Ansätze für den Einsatz von Web 2.o in Unternehmen… Vielleicht als Ideenlieferant ein Einblick in meine Dissertation in die Wertschöpfunkgskette 2.0 (in diesem Beispiel die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Blogs im Unternehmen):

Value Chain 2.0

Noch Zweifel? Ab in den Kommentar damit!

Streisand-Effekt trifft Deutsche Bahn

Dienstag, Februar 3rd, 2009
  • german

Firmen sind unverbesserlich! (Eigentlich könnte der Post hier aufhören)

Ich arbeite selbst im Social-Media-Bereich für einen Großkonzern und kann wieder einmal nur mit dem Kopf schütteln, wie wenig sensibilisiert die Kommunikationskollegen anderer Unternehmen beim Thema Web 2.0 sind. Vor 78 Minuten (!!!) veröffentlichte Markus Beckedahl auf seinem Blog die Info, dass er von der Deutschen Bahn eine Abmahnung erhalten habe, mit der Aufforderung (unter Androhung von Schadenersatzforderungen) ein “internes Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn”, welches er zwei Tage zuvor veröffentlicht hatte sofort aus dem Netz zu nehmen. Innerhalb kürzester Zeit (bisher 80 Minuten) haben mindestens sechs weitere Blogs (meins nicht mitgerechnet) sowie einige hundert Twitterer reagiert. Wieviele gerade an einem Beitrag dazu arbeiten möchte ich gar nicht prognostizieren. Den aktuellen Stand der Diskussion kann man gut hier bei Rivva verfolgen.

Damit wird die Deutsche Bahn nun Opfer eines Phänomens, welches Allgemein als Streisand-Effekt bekannt ist. Ein kleines aber unangenehmes Thema im Internet wird erst dadurch publik, dass die betroffene Firma unverhältnismäßig (in der Regel mit rechtlichen Mitteln) reagiert. Was vorher nur eine Handvoll Menschen gelesen hätten, wird somit zum Gesprächthema für Tausende wenn nicht Millionen.

Gerade im Web 2.0 ist die persönliche Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg – unabhängig ob man mit Kunden, Mitarbeitern oder Außenstehenden ‘redet’. Der Knopf mit der Aufschrift “ich-häng-das-an-die-große-Glocke” ist für jeden Bloggern beinahe jederzeit mit einer kleinen Handbewegung erreichbar. Der richtige Ansatz wäre es gewesen, Markus persönlich zu kontaktieren (wobei man dabei dann auch durchaus mögliche Konsequenzen aufzeigen kann). Wenn das nicht weiterhelfen sollte, wäre man gut beraten das Geschehen weiter zu beobachten und parallel eine mögliche Reaktion in eigenen Social Media vorzubereiten – für den Fall dass das Thema doch Wellen schlägt. Diese Medien fehlen der Bahn (abgesehen vom Twitter-Orakel) aber scheinbar. Zu guter Letzt muss man auch mal den Mumm haben, Dinge auszustehen – vor allem wenn man merkt, dass eigene Aktionen das Problem noch verschlimmern könnten. Der Fehler ist ja offensichtlich Bahn-intern geschehen, denn Markus wird das entsprechende PDF ja nicht in Bond-Manier aus dem Bahn-Tower entwendet haben.

Die oberste Strategie muss in jedem Falle heißen “Kühlen Kopf bewahren und sich Konsequenzen bewusst machen!”. Ein vernünftiges Online-Monitoring reicht nicht aus, um potentielle Krisen in den Griff zu bekommen. Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und ein Grundverständnis von “Do’s and Dont’s im Web 2.0″ sind der Schlüssel, um solche Probleme zu meistern.

Eine Übersicht über aktuelle Tweets zum Thema gibt es auf Reetweetist

Die sich immer weiter verlängernde Diskussionen dazu: