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Web 2.0 in antiken Thermen

Dienstag, Januar 22nd, 2008
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Um meine Freundin zu besuchen verbringe ich derzeit viel Zeit in Rom. So war ich auch am letzten Wochenende wieder in der ewigen Stadt und gemeinsam haben wir uns bei herrlichem Sonnenschein und frühlingshaften 17 Grad auf den Weg in das nahe gelegene Ostia Antica gemacht. Diesen Ausflug kann ich nur empfehlen, denn sieht man in Rom nur Stückwerk aus verschiedenen Epochen (nichtsdestotrotz natürlich sehr beeindruckend) bekommt man erst in Ostia Antica einen wirklichen Eindruck von der damaligen Lebensweise und zumindest ansatzweise ein Gefühl wie es gewesen sein muss damals durch die Straße des antiken Rom zu schlendern. In Ostia Antica findet man auf einem riesigen Areal die Ruinen der früheren Hafenkolonie und man kann stundenlang hindurch spazieren und die Überreste römischer Baukunst bewundern. Aber über die Geschichte will ich hier gar nicht allzu viel berichten.

Terme di Caracalla

Viel interessanter war ein Gedankengang der mich bewegte, als wir vor einem antiken Thermalbad stehend hörten, wie eine Touristin eben jene Therme charakterisierte – als Ort der kostenlosen Unterhaltung glich es ihrer Meinung nach dem heutigen Internet. Zunächst erschien mir der Gedanke etwas abwegig, aber je länger ich nun darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss dass tatsächlich das heutige Web 2.0 nur eine Fortführung eben jener antiken kulturellen Errungenschaft ist.

Dazu muss man wissen, dass römische Thermen sehr weitläufig waren. Die Caracalla-Thermen in Roms Stadtmitte boten bis zu 2000 Menschen Platz. Es wurde nicht nur in den verschiedensten Arten gebadet, es gab auch große Bibliotheken, Versammlungsräume und Dienstleister wie Friseure. Die Aktivitäten waren extrem vielfältig und der übliche Zweck des Thermenbesuchs war entweder auf Unterhaltung ausgelegt oder auf Interaktion mit Freunden und Geschäftspartnern. Zudem war der Eintritt für das gemeine Volk kostenlos. Kurz – ein Besuch in der Therme war eine Standardaktivität für verschiedene Ziele eines Individuums.

Daher denke ich, dass eben ein Vergleich mit dem heutigen Web 2.0 keinesfalls hinkt. Es ist ebenso leicht und für quasi jeden bei äußerst geringen Kosten zugänglich, hat eine extrem breite Nutzbarkeit für verschiedene Zwecke (privat wie beruflich) und bietet Raum für verschiedenen Geschäftsmodelle mit dem Fokus auf Unterhaltung und Dienstleistungen. Das Einzige was ich mich dabei aber frage ist, was in der Zwischenzeit geschehen ist, warum jene Multifunktionalität über so einen langen Zeitraum vernachlässigt worden ist und man eher funktionell abgegrenzte Bereiche nutzte (also für Unterhaltung Fernsehen, für Dienstleistungen die Einkaufszentren, für Geschäftsbeziehungen professionellere Einrichtungen). Hier scheint die Technik einen Weg gefunden zu haben, den Menschen etwas sehr Grundlegendes zurückzugeben, was die wirtschaftliche Entwicklung als solche durch eine zunehmende Spezialisierung eigentlich abgeschafft hatte. Diese Logik scheint zu belegen, dass eben das Internet und die Einfachheit des Web 2.0 mit geringsten Transaktionskosten die „Economies of Scale“-Theorie für einige Wirtschaftsbereiche außer Kraft gesetzt haben.