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Trend zu Themenblogs?

Dienstag, März 11th, 2008
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In der aktuellen Ausgabe des PR-Magazins ist eine fünfseitige Abhandlung über Corporate Blogs enthalten. Die freie Journalistin Sarah Roth hat sich dabei Blogs als vierten Teil einer Serie zur „Reputationssteuerung im Internet“ angeschaut. Was vielversprechend klingt, ist insgesamt aber mehr als nur eine fachliche Enttäuschung. Wäre das ganze ein Aufsatz, müsste man nach der Lektüre eindeutig zum Schluss kommen „Thema verfehlt“.

Frau Roth hat im Rahmen ihrer Recherche einen (für sie) klaren Trend erkannt: Themenblogs sind die Zukunft jeglicher Unternehmensblog-Strategie. Dabei stützt sie sich auf das T-Systems Automotive Blog – für Roth das „Paradebeispiel für eine neue Generation von Firmenweblogs“. Kunden wollten lieber an den inhaltlichen Herausforderungen einer Firma beteiligt werden – in diesem Falle Softwarelösungen von T-Systems für die Produktentwicklung in der Automobilbranche – statt Alltagserlebnisse der Mitarbeiter zu lesen. „Expertenrat statt Alltagstratsch“. Ihre Hauptquelle ist Petra Sammer, die bei Ketchum ja bekanntlich eine ganze Reihe von Blog-Koryphäen wie BMW, MAN und Bauknecht betreut. Stolz wird auch Gina Duscher zitiert, die bei T-Systems Onlineverantwortliche ist: „Unser Expertenblog ist ein voller Erfolg.“ Und weiter heißt es im Artikel dazu „Ein derart umfassendes und direktes Feedback bekämen Unternehmen selten“.

Man soll mich nicht falsch verstehen. Ich gehöre ebenfalls zu den regelmäßigen Lesern des Automotive Blogs, weil ich die Tiefe der Beiträge schätze (obwohl ich mir dafür dann zum Lesen/Verstehen immer gleich eine halbe Stunde freischaufeln muss). Aber ich halte es für völlig verfehlt, dieses als Ikone der Unternehmensblogwelt darzustellen. Der T-Systems-Blog lässt sich folgendermaßen statistisch erfassen: Vier Beiträge jeweils im Januar und Februar (bei immerhin fünf Autoren!), die durchschnittlich einen Kommentar als Reaktion erhalten haben (= umfassendes Feedback?). Dazu eine Technorati-Authority von 15, womit der Blog die Riege der 550,000 Top-Blogs nur knapp verfehlt.

In diesem Rahmen ist es nur schwer nachvollziehbar, wie Frau Roth dieses Modell gleich als wegweisenden Trend für die Zukunft erkannt hat. Persönlich halte ich Themenblogs durchaus für ein vernünftiges Tool und für ein Erfolgsmodell wenn man es richtig anwendet, gerade wenn es darum geht Expertenwissen zu vermitteln und eine Reputation als erfahrener und konstruktiver Partner aufzubauen, aber ich halte es für absolut falsch diese Erkenntnis im Umkehrschluss als Todesstoß für sämtliche anderen Formen zu formulieren. Da ist es schade, dass sich Frau Roth nicht intensiver bei den bekannteren Blog-Experten wie Klaus Eck, Thomas Pleil oder Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach erkundigt hat.

Viel wichtiger wiegt eigentlich eine andere leider nur nebensächlich behandelte Erkenntnis „Unternehmen, die nicht täglich veröffentlichen und auf Kommentare reagieren, werden ignoriert, verspottet oder sogar gehasst“ (Zitat von Sabine Klaas). Dass diese Aussage wiederum bei genauer Betrachtung gegen das T-Systems-Blog spricht, wird nicht erkannt. Bei genauer Überlegung komme ich sogar zu dem Schluss dass es sich bei T-Systems nur um „Corporate Publishing“ im Blog-Gewand handelt, wofür an sich ein Standard CMS genügen würde und der Begriff des Blogs auf seine technische Simplizität zurück-gestutzt wird.

Hat man, aber erstmal begriffen dass Blogerfolg sich über Authentizität, Frequenz und offenen Umgang mit dem Leser erreichen lässt, kann man Blogs konzeptionell für die verschiedensten Firmenziele einsetzen. Da haben Mitarbeiterblogs mit persönlicher Note, wie der Walther-Saftblog, der Frosta-Blog oder auch der Daimler-Blog genauso ihre Daseinsberechtigung wie Themenblogs oder der Trend zu Recruitingblogs a la Bosch und Ikea. Dies wäre sicherlich eine sinnvollere Empfehlung an die vielen PR-Entscheider und Leser des PR-Magazins gewesen.

Abstimmung mit dem Mausklick

Mittwoch, Februar 13th, 2008
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Es war die Sensation des gestrigen Tages: Das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus verlagert sein Vorzeigeprodukt, die Bockhaus Enzyklopädie, komplett ins Internet. Nachdem im letzten Jahr die Zielmarke von 20.000 verkauften Einheiten der 21. Auflage weit verfehlt worden war, hat man sich zu diesem drastischen Schritt entschieden. Zukünftig wird der komplette Inhalt kostenlos und werbefinanziert im Internet dargeboten (angesichts der schlechten Kritiken im Vergleich mit Wikipedia & Co ein echt mutiger Schritt). Die FTD titelt daher heute „Brockhaus kapituliert vor dem Internet“ und beschreibt das Abwandern der Leserschaft als „Abstimmung mit dem Mausklick“.

Etwas weniger medienwirksam hatte bereits Anfang der Woche mit der Capital Times aus Wisconsin, USA, die erste größere Zeitung eine komplette Verlagerung ihrer Aktivitäten ins Internet angekündigt.

Nun könnte man meinen, sei das schon seit langem orakelte „Ende von Print“ gekommen, dem ist jedoch nicht so. Es ist richtig dass wir Zeuge einer sich dramatisch verschiebenden Medienlandschaft sind, aber die „Kapitulation“ ist in der Regel auf mangelnde Flexibilität der Geschäftsmodelle zurückzuführen. Der Medientrend geht schon seit Jahrzehnten in Richtung der Individualisierung. Vereinfachte und ökonomischere Druckverfahren (z.B. PoD) ermöglichten es zuvor überregionalen Zeitungen lokal adaptierte Ausgaben anzubieten. Das Internet ist nur ein weiterer Schritt in diese Richtung. Der Leser möchte ein auf ihn zugeschnittenes Produkt haben. Hier müssen Verlage reagieren und die Brücke von Print zu Digital meistern. Oft wird bereits eine Kombi aus Printabo und zugeschnittenem Newsletter angeboten. Aber was hindert denn Verlage daran, wirklich individuelle Produkte zu entwickeln – die offline-Zeitung zum Selbstbau zum Beispiel. Warum kann ich mir mein Printprodukt nicht wunschgemäß mit den Top-Headlines, einem großen Sportteil, den internationalen Politik- und Wirtschaftsmeldungen und schließlich noch einer Seite aktueller Techniktrends selbst zusammenstellen? Technisch ist dies kein Problem mehr. Und bei Preisen um die 2€ für FAZ, Süddeutsche, FTD & Co sollte eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösung keine Utopie sein.

Aber üben wir uns doch jetzt, wo die Lawine ins Rollen gekommen ist, noch ein wenig in Geduld. Bertelsmann war vom Brockhausschritt genauso überrascht wie viele andere. Das spricht dafür, dass eigene Konzepte noch nicht greifbar in der Schublade liegen. Aber, möchte man sagen, dafür wird es jetzt höchste Zeit!

Neu: Trendmap 3

Montag, Januar 28th, 2008
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Zum dritten mal ist nun die Trendmap der Infomation Architects erschienen. Mit überarbeitetem Layout und einigen Änderungen im Vergleich zur Vorgängerversion, stellt sie das moderne Internet mit fast allen Facetten des Web 2.0 dar:

Trendmap 3.0

Auf jeden Fall interessant sind die Hintergründe der Bahnhofszuteilung die ich hier kurz an einigen Beispielen verdeutlichen will. Der Plan selbst besteht aus den Metro-Linien der japanischen Hauptstadt, jeweils thematisch orientiert (z.B. die News-Linie, Application-Linie, Shopping-Linie, etc.). Google ist dieses Jahr endgültig ins Zentrum des Planes gerutscht und hat als Dreh- und Angelpunkt des Internets den Tokioter Hauptbahnhof (Tokyo Station) in Beschlag genommen. Besonders auffällig ist hierbei dass Google in alle von diesem Bahnhof abgehenden Linien eigene Projekte schieben kann und damit auf fast allen Linien selbst präsent ist – eine spannende Visualisierung der Google-Strategie. Yahoo News besetzt die Station „Sugamo“ – laut den Entwicklern der Karte ein Shopping Center für alte Damen – weil Yahoo News kein aufregendes Produkt ist aber wohl besonders für ältere Menschen (z.B. über regionale Nachrichten) interessant ist.
eBay ist ein ganzes Stückchen abgerutscht und hat in Ikebukuro eine neue Heimat gefunden – mehr oder weniger ein recht schmutziges Viertel, für die Entwickler durch das schlampige Re-Design und das schlechte Management gerechtfertigt. Windows Live ist an der Takadanobaba zu finden, ein ehemaliges Intellektuellen-Viertel. Während Microsoft selbst in eines der angeblich billigsten Viertel verbannt wurde, hat Apple sich im Designer-Viertel rund um „Ebisu“ niedergelassen.
Alles in allem eine lustige Sache und doch meiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht eine sehr genaue Darstellung der gegenwärtigen Internetlandschaft. Dazu bleibt noch zu sagen, dass die Entwickler nach Schweizer Vorbild zwei weitere Schichten als separate Karten hinzugefügt haben. So gibt es eine eigene Karte um „Brand Experience“ darzustellen – eine Auswertung von Studien über Bedienbarkeit, Nützlichkeit und Markenmanagement der jeweiligen Stationen/Webseiten. Als weitere Dimension gibt es eine Karte über „Momentum“, übersetzt quasi die Dynamik der Webseite, welche auf einer Party-Skala in verschiedenen Tanzstilen dargestellt wird.

Blog-Werbung-Exempel

Freitag, Januar 25th, 2008
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Über bezahlte Blog-Rezensionen a la Trigami herrscht in der Blogosphäre ja genügend Aufregung. Nun gibt es an einem Beitrag über Dresdner Ferienwohnungen ein Exempel wie man es aus Blogger- und aus Kundensicht nicht machen sollte: Hier wurde zunächst ein sprachlich etwas ungehobelter Beitrag über die Wohnungen (oder vielmehr die Webseite) verfasst und auf einige Mängel in der Internetpräsentation hingewiesen. Der Auftraggeber beschwerte sich daraufhin in den Blogkommentaren über die Kritik, was anschließend in einen längeren Kommentar-Streit mündete… Ein schönes Beispiel, wie mangelnde Professionalität sowohl von Firmen bei der Blognutzung als auch von Bloggern im Umgang mit Auftraggebern nach wie vor die Durchsetzung von Blogs in der Wirtschaft behindern. Auf jeden Fall eine amüsante Lektüre…

UPDATE: Robert hat einmal seine Kommentatoren unter die Lupe genommen und dabei einige Ungereimtheiten bei positiven Meldungen zu den Ferienwohnungen festgestellt. Hat der gute Auftraggeber sich nun auch noch bemüht durch mehrere künstliche Identitäten in die  “Ferienwohnung-Soap” einzugreifen?

Der Fall Nokia

Dienstag, Januar 22nd, 2008
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Die Werksschließung des Handyherstellers Nokia in Bochum beschäftigt derzeit nicht nur die offline-Medien sondern in zunehmendem Maße auch die Blogosphäre. Allerdings ist es interessant zu sehen, dass sich anders als bei vielen klassischen Blogosphäre-Revolten (a la Jamba) kein einheitliches Meinungsbild herausbilden will. Der relativ offensichtliche Grund dafür ist, dass es eine interessante Zweiteilung in Wirtschaftsblogs und andere Meinungsblogs zu geben scheint. Zweifellos haben aufgrund der Nähe zum Marketing und der PR viele Blogger einen Wirtschaftshintergrund aufzuweisen und das scheint sich hier zu zementieren. Dabei ist unter den Wirtschaftsblogs der einheitliche Tenor dass man Nokia als Unternehmen verstehen muss, während der Rest der Blogosphäre die ein oder andere Form des Nokia-Boykotts fordert.

Anders ist das bei rein moralisch besetzten Themen, wenn Firmen oder Institutionen ethisch nicht vertretbare Entscheidungen treffen. Dann ist die beschriebene Spaltung recht schnell aufgehoben. Spannend ist hier, zukünftig zu beobachten ob es weitere solcher Spaltungen zu geben scheint (wenn gefunden bitte kommentieren ;-) ).

Meine eigene Einstellung zu diesem Fall weicht etwas von der generellen Wirtschaftlerlinie ab. Wir müssen Nokias Entscheidung nicht verstehen – vielmehr bleibt uns ohnehin nichts anderes übrig als diese hinzunehmen. Denn hier offenbart sich einfach eine gewisse Schizophrenie unserer Gesellschaft. Einerseits bezahlen wir Nokia dafür, das Handywerk nicht in seiner Heimat Finnland sondern hier bei uns in Bochum zu errichten, andererseits bricht ein kleiner Bürgerkrieg los, wenn andere Länder eine ähnliche Politik verfolgen. Es ist also an uns, die Politik der Bundesregierung zu überdenken und nicht vorschnell über eine Wirtschaftsinstitution herzufallen. Wahrscheinlich haben die welche sich jetzt aufregen damals voller Schadenfreude nach Finnland geschaut wo die Gewerkschaften und Angestellten das Investment ihrer Firma hierzulande akzeptieren mussten. Zweitens, kritisieren wir als fortgeschrittene Gesellschaft die Entwicklungsländer, dass sie zu kurzfristig denken, wenn sie über reine Geld-Subventionen und befristete Sonderwirtschaftszonen Investoren anlocken wollen, statt nachhaltige und grundlegende Vorteile zu entwickeln. In der Regel zeigen wir anschließend mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf jene Regionen, die dann bald eine Abwanderung der Unternehmen zu beklagen haben – „Wir haben es ja gewusst!“ Nun ist der Nokia-Fall eben ein Beispiel dafür, dass wir selbst nicht in der Lage sind unsere eigenen Erkenntnisse umzusetzen und eine vernünftige Politik zu betreiben.